Peer-Feedback in analogen und digitalen Lernsettings
Lernen lebt vom Austausch – nicht nur zwischen Lehrkräften und Lernenden, sondern ebenso unter den Schülerinnen und Schülern selbst. Geben sie einander Rückmeldungen, fördert das eine Lernatmosphäre, die von Vertrauen, Eigenverantwortung und gemeinsamem Nachdenken geprägt ist. Peer-Feedback ist einen entscheidenden Impulsgeber für Selbstwirksamkeit und nachhaltiges, tiefergehendes Lernen dar. Das Geben und Annehmen von Feedback ist jedoch eine anspruchsvolle Kompetenz, die schrittweise erlernt werden muss. Seitens der Lehrkraft ist sowohl eine offene Haltung gegenüber Fehlern als auch ein Vertrauen in die Lernfähigkeit der Kinder und Jugendlichen notwendig. Deshalb muss sie im Rahmen des Peer-Feedbacks eine moderierende und strukturierende Rolle einnehmen. Sie führt die Feedbackform ein, gestaltet passende Lernsettings und legt den zeitlichen Rahmen fest, ohne während der Durchführung aktiv in den Feedbackprozess eingebunden zu sein. Gleichzeitig beobachtet sie den Verlauf und die Ergebnisse stichprobenartig, führt begleitende Gespräche und gibt bei Bedarf formative Rückmeldungen sowohl zum Feedbackprozess als auch zu den Lerninhalten. Klare Strukturen und gemeinsame Kriterien führen zu einer erfolgreichen Umsetzung und haben letztlich einen positiven Effekt auf Unterrichtsqualität und Lernleistung.
Welche Rolle spielt Peer-Feedback im Lernprozess?
Peer-Feedback bezeichnet eine Form des Feedbacks, bei der Lernende einander während des Lernprozesses Rückmeldungen geben und empfangen. Es handelt sich dabei um formatives Feedback, das begleitend zur Bearbeitung von Aufgaben eingesetzt wird und darauf abzielt, Lernprozesse zu unterstützen und weiterzuentwickeln. Lernwirksames Peer-Feedback zeichnet sich dadurch aus, dass den Lernenden konkrete, sachbezogene und motivierende Informationen gegeben werden, die sie bei der Bearbeitung aktueller sowie zukünftiger Aufgaben unterstützen.
Wie lernwirksames Feedback allgemein orientiert sich auch Peer-Feedback an drei zentralen Leitfragen (vgl. Hattie & Timperley, 2007):
Was ist das angestrebte Lernziel?
Wo steht die oder der Lernende aktuell im Lernprozess?
Welche nächsten Schritte sind notwendig, um das Lernziel zu erreichen?
Lernwirksames Feedback kann auf unterschiedlichen Ebenen ansetzen. Hattie und Timperley (2007) unterscheiden insbesondere Feedback auf der Aufgabenebene, der Prozessebene sowie der Ebene der Selbstregulation. Rückmeldungen durch Lernende können grundsätzlich all diese Ebenen lernwirksam adressieren, jedoch hängt die Qualität von Peer-Feedback maßgeblich von der Anleitung und Unterstützung durch die Lehrkraft ab. Ohne gezielte didaktische Begleitung verbleibt Peer-Feedback überwiegend auf der Aufgabenebene, während Feedback auf der Prozess- und insbesondere auf der Selbstregulationsebene nur selten spontan entsteht. Ausgehend von den drei zentralen Leitfragen nach Hattie und Timperley lassen sich für die unterschiedlichen Feedbackebenen jeweils spezifische Fragestellungen ableiten:
Im Optimalfall schließt Peer-Feedback mit einem Abgleich der Rückmeldungen mit der ursprünglichen Selbsteinschätzung der oder des Lernenden entlang der genannten Leitfragen ab. Dadurch wird der Lernprozess reflektiert und die Fähigkeit zur Selbstregulation weiter gestärkt.
Besonders wirksam wird Feedback dann, wenn Selbsteinschätzung, Peer-Feedback und professionelle Rückmeldung durch die Lehrkraft aufeinander abgestimmt sind und sich gegenseitig ergänzen.
Wie führt man Lernende an Peer-Feedback heran?
Verschiedener Rahmenbedingungen, die sowohl den Ablauf als auch den sozialen Rahmen und die Unterstützung der Lernenden betreffen, begünstigen ein Gelingen von Peer-Feedback:
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Feedbackregeln erarbeiten
Regeln für ein respektvolles und konstruktives Feedback werden eingeführt und im Klassenzimmer visualisiert. Es bietet sich an, mithilfe von Fallbeispielen die Verwendung von Ich-Sätzen (z.B. „Mir ist aufgefallen...“, „Ich finde...“) einzuüben. Erfahrungsgemäß fällt es den Lernenden anfangs schwer, Kritik wertschätzend und konstruktiv zu äußern.
Vor allem zu Beginn ist für die Einführung von Peer-Feedback Zeit notwendig. Denn bei den Lernenden muss zunächst das Bewusstsein geschaffen werden, welche positiven Auswirkungen Peer-Feedback auf das eigene Lernen haben kann, wenn es korrekt durchgeführt wird.
Eine bewusste Platzierung des Feedbacks durch die Lehrkraft im Lernprozess ist ebenso entscheidend. Nur wenn diesem Prozess genügend Unterrichtszeit eingeräumt wird und Wiederholungen vorgesehen sind, kann dieser auch langfristig gelingen.
Anfangs kann die gemeinsame Bewertung eines Arbeitsergebnisses für die Lernenden eine Erleichterung darstellen, weil sie auf diese Weise ihre Einschätzungen und Begründungen austauschen können und damit Standards entwickeln.
Klare Regeln geben den Lernenden Orientierung und helfen ihnen bei der Durchführung von Peer-Feedback.
Durch die Umsetzung und Wiederholung von Regeln können Abläufe verinnerlicht und zunehmend selbstständig angewandt werden.
Denkbar wäre es, Abläufe zu visualisieren, etwa als Poster im Klassenzimmer oder digital bereitgestellt (z. B. „1. Lösung des Partners lesen – 2. Positives Feedback geben – 3. Verbesserungsvorschläge formulieren – 4. Rückmeldung besprechen“).
All das braucht Raum für Erklärungen, Modellierungen und erste Versuche.
Ein gelingendes Feedbackgeben und -annehmen hängt stark von den vorherrschenden sozialen Kompetenzen der Lernenden und dem damit verbundenen respektvollen Umgang innerhalb der Klasse ab.
Damit Peer-Feedback konstruktiv und wertschätzend bleibt, muss eine positive Feedbackkultur entstehen.
Klare Regeln und konkrete Hilfestellungen helfen dabei.
Die Forschung zeigt, dass Lernende viel effektiver bewerten, wenn sie explizite Bewertungsschemata erhalten, die beschreiben, wie eine „gute Arbeit“ aussieht.
Kriterien können sowohl sprachlich in verständlicher Weise formuliert als auch bildlich in Form von Symbolen visualisiert (z. B. Ampelsystem oder Smiley-Skala) werden.
Auch Beurteilungsphrasen oder Musterlösungen für Rückmeldungen können Lernende im eigenen Feedbackprozess unterstützen.
Indem der gesamte Feedbackprozess reflektiert wird, erhält auch die Lehrkraft Einblick in das Erreichen der Lernziele und eine etwaige Anpassung der Kriterien wird möglich.
Aus der Praxis: Wie setze ich Peer-Feedback im Unterricht lernwirksam um?
Feedback strukturiert anleiten
Strukturierte Feedbackformate sorgen dafür, dass Rückmeldungen für Lernende klar, nachvollziehbar und handlungsorientiert ausfallen. Sie schaffen einen verlässlichen Rahmen, in dem Stärken sichtbar werden und konkrete nächste Schritte transparent gemacht werden. Folgende Beispiele zeigen, wie dies konkret umgesetzt werden kann.
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Angeleitetes Schüler-Feedback für ein Schreibprodukt im Deutschunterricht
Abb.: Präsentationsfolie mit Regeln für Vortragende und Zuhörende Ziel ist ein klar strukturierter Austausch, der sowohl Rückmeldung als auch Weiterentwicklung fördert. Dabei stellt ein Lernender seine Geschichte ausdrucksstark vor und erhält im Anschluss Feedback zu seinem Ergebnis aus der Klasse. Während die Zuhörenden dieses konstruktiv beurteilen, hört der Schüler konzentriert zu, ohne sich rechtfertigen zu müssen und notiert konkrete Verbesserungstipps.
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Zwischenbesprechung und Tipp-Time im Kunstunterricht - Teil I
Abb.: Tipp-Time I In gelenkten Feedbackphasen betrachten die Lernenden zunächst das Zwischenergebnis eines Mitschülers und geben mithilfe klarer Leitfragen konstruktive Rückmeldung. Ziel ist es, Stärken und Verbesserungsmöglichkeiten zu erkennen und wertschätzend zu benennen.
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Zwischenbesprechung und Tipp-Time im Kunstunterricht - Teil II
Abb.: Tipp-Time II Anschließend werden die Anmerkungen in einer Gesprächsphase besprochen.
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Aufgabenverteilung mittels Placemat-Methode im Englischunterricht
Abb.: Placemat-Methode für Feedback nutzen Während der Arbeit mit der Placemat-Methode kommt jedem Lernenden innerhalb der Gruppe eine bestimmte Aufgabe/Rolle zu, sodass Feedback organisiert weitergegeben werden kann.
Feedbackvorlagen nutzen
Vorlagen wie kriteriengeleitete Checklisten oder Reflexionsbögen unterstützen die Lernenden dabei, strukturiertes und nachvollziehbares Feedback zu geben. Feedbackraster bieten zusätzlich eine klare Orientierung, damit Rückmeldungen sowohl präzise als auch lernförderlich ausfallen.
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Bogen zur Fremd- und Selbsteinschätzung im Englischunterricht
Abb.: Self reflection in English Eine bestimmte Aufgabe wurde von den Lernenden im Englischunterricht erledigt. Im Anschluss wird das Ergebnis von einer Mtschülerin oder einem Mitschüler bewerten (Plus – Minus – Improve) und dann reflektieren die Lernenden ihre eigene Leistung mithilfe der Anmerkungen ehrlich und kritisch.
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Beurteilung eines Werkstücks im Fach Werken
Abb.: Fremd- und Selbsteinschätzung im Werkunterricht Die Lernenden schätzen sich mithilfe eines in der Mitte gefalteten Reflexionsbogens zunächst selbst ein und geben anschließend Werkstück und Bogen an einen Lernpartner weiter. Dieser ergänzt seine Einschätzung und gibt beide Materialien zurück. Durch das Auffalten können eigene und fremde Bewertung direkt verglichen werden. Auf diese Weise wird die Fähigkeit zur realistischen Selbsteinschätzung gefördert.
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Reading-Peerfeedback im Englischunterricht
Abb: Kriterien für ein Peerfeedback zum Lesen im Englischunterricht Die Lernenden haben den (englischen) Text kennengelernt und wissen, wie er korrekt gelesen wird. Zudem wird der Feedbackbogen und dessen Handhabung gemeinsam besprochen.
Anschließend beurteilen sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig. Dabei wird die Klasse in 4-er Gruppen eingeteilt. Ein Gruppenmitglied muss einen längeren Abschnitt lesen und die anderen 3 beurteilten die Vorleseleistung mithilfe des Kriterienrasters.
Der Vorteil liegt darin, dass der Lernende Rückmeldung von mehreren Personen zu seiner Leistung erhält und damit ein breiteres Meinungsbild entsteht.
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Kriteriengeleitetes Peer-Feedback auf ein Schreibprodukt in Englisch
Schülerinnen und Schüler geben mithilfe diverser Kriterien Feedback zu einem Schreibprodukt (z. B. Essay) im Englischunterricht. Die vorgegebenen Fragen ermöglichen es den Lernenden, eine detaillierte Rückmeldung zu formulieren, welche an dem Bewertungsraster der Lehrkraft orientiert ist.
Formulierungshilfen verwenden
Satzanfänge bieten den Lernenden eine sprachliche Orientierung und erleichtern es ihnen, Feedback strukturiert und präzise zu formulieren. Sie unterstützen besonders zu Beginn dabei, sich auf die vorgegebenen Kriterien zu konzentrieren.
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Beurteilung eines Schülerwerkes in praktischen Fächern durch Kärtchen mit Satzanfängen
Abb.: Anweisungen Stapelfeedback Die Schülerinnen und Schüler legen verdeckte Kärtchen mit Feedback-Satzanfängen zwischen sich aus und ziehen diese nacheinander. Der gezogene Satzanfang wird jeweils mündlich in Bezug auf das vorliegende Bild beendet und dient als strukturierte Rückmeldung. Durch den Wechsel der Karten erhalten alle Lernenden vielfältige, wertschätzende und zielgerichtete Feedbackimpulse zur Weiterarbeit.
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„sentence starters“ im Englischunterricht
Abb.: Englische Satzanfänge für Peer-Feedback Mithilfe dieser „sentence starters“ können die Lernenden ihren Mitschülern im Englischunterricht konstruktiv Rückmeldungen geben.
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Peer Feedback mithilfe der TAG (Tell – Ask – Give) Methode im Englischunterricht
Abb: TAG Feedback Die Buchstaben T (tell about the work), A (ask question) und G (give suggestions) dienen den Lernenden als Hilfestellung, um Feedback zum Produkt eines anderen Lernenden im Englischunterricht sinnvoll zu strukturieren.
Wie unterstützen digitale Medien Peer-Feedback?
Digitale Medien können in Verbindung mit Peer-Feedback eine zentrale Rolle im Unterricht einnehmen, indem sie Lernprozesse interaktiver, transparenter und nachhaltiger gestalten. Dies stärkt nicht nur Fachkompetenz, sondern auch Kollaboration und Reflexionsfähigkeit. Letztere kann in Kombination mit KI sogar noch stärker gefördert werden.
Digitale Medien erweitern Peer-Feedback über den klassischen Unterricht hinaus, indem ein einfacher Austausch über digitale Plattformen (z. B. Lernplattformen, kollaborative Dokumente, Foren) stattfinden kann. Auch ein zeit- und ortsunabhängiges Feedback wird ermöglicht. Zudem ist es einfacher, Rückmeldungen von mehreren Peers zu erhalten, wodurch sowohl Qualität als auch Vielfalt des Feedbacks eine Steigerung erfahren.
Darüber hinaus haben zurückhaltendere Lernende aufgrund einer gewissen Anonymität geringere Hemmschwellen, im digitalen Raum zu kommunizieren. Folglich können sich konstruktivere Rückmeldungen als Ergebnisse zeigen.
Digitale Medien verschieben den Fokus von der reinen Ergebnisbewertung hin zum Lernprozess. Denn Entwürfe, Zwischenergebnisse und Überarbeitungen können leichter geteilt werden und das Peer-Feedback kann kontinuierlich als begleitendes Element des Lernens beibehalten werden. Zudem können bestimmte Feedbackkriterien besser reflektiert werden und und Lernende setzen sich bewusster mit der Qualität von Feedback auseinander – sowohl beim Geben als auch beim Annehmen von Feedback.
Digitale Medien machen Lernen sichtbar, denn die Lernwege sowie alle Überarbeitungen und Entwicklungsschritte des Feedbacks werden nachvollziehbar gespeichert. Auch manche Bewertungskriterien sind digital leichter vergleichbar und können Orientierung schaffen (z. B. durch die Kommentarfunktion). Folglich ist auch eine Selbst- und Fremdeinschätzung der Lernenden für ihre eigene Arbeit mit dem Feedback der Peers besser vergleichbar.
Grundsätzlich stellt Künstliche Intelligenz ein Instrument dar, um Peer-Feedback sinnvoll zu ergänzen. KI kann dieses jedoch nicht ersetzen, stattdessen ermöglicht sie:
Entlastung und Unterstützung durch Hinweise zu Struktur, Sprache oder Verständlichkeit
Vorschläge für konstruktive Rückmeldungen oder weitere Formulierungen (Scaffolding)
Ergänzende, editierbare Rückmeldungen, abgestimmt auf den individuellen Lernstand
Anbahnung einer zukunftsrelevanten, kritischen Medienkompetenz durch eine stärkere Auseinandersetzung der Lernenden mit Chancen und Grenzen digitaler Technologien.
Aus der Praxis: Wie nutze ich digitale Medien für Peer-Feedback?
In der praktischen Umsetzung können digitale Medien die Durchführung unterstützen, beispielsweise durch die Visualisierung von Rückmeldungen auf virtuellen Pinnwänden oder die Möglichkeit einer strukturierten Begleitung von Feedback‑ und Überarbeitungsprozessen.
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Nutzung der Kommentarfunktion
Abb.: Peerfeedback mittels Kommentar Auf einer digitalen Pinnwand präsentieren die Lernenden ihre Ergebnisse für alle sichtbar und geben sich über die Kommentarfunktion gegenseitig strukturierte Rückmeldungen.
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Visualisierung von Optimierungsvorschlägen durch Upload in eine gemeinsame Taskcard
Abb.: Feedback in einer Taskcard Digitale Pinnwände ermöglichen eine übersichtliche Visualisierung von Arbeitsergebnissen. Die damit verbundene digitale Veröffentlichung eigener Lösungen für die Lerngruppe kann die Motivation steigern, qualitativ ansprechende Ergebnisse zu erarbeiten, und fördert zugleich das Formulieren angemessener, nachvollziehbarer Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge.
Welche Bedeutung hat Peer-Feedback für selbstgesteuertes Lernen?
Wenn Schülerinnen und Schüler einander ermutigende und aufbauende Rückmeldungen geben können, die sie im Lernprozess weiterbringen, dann haben sie auch die Chance, Kompetenzen aufzubauen, die für das selbstständige Lernen entscheidend sind: die Entwicklung einer realistischen Selbsteinschätzung, die Wahrnehmung eigener Ziele und Entwicklungsmöglichkeiten, das kritische Einschätzen von Qualitäten, das wertschätzende Kommunizieren oder das bewusste Anwenden von Lernstrategien.
Gut angeleitetes Peer-Feedback führt zur intensiven Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Leistungen, mit dem persönlichen Lernverhalten und jenem von Mitschülerinnen und Mitschülern. Die Einführung eines gemeinsamen und ritualisierten Methodenrepertoires für die Selbstreflexion und das Partner- und Gruppenfeedback ist eine langfristige und lohnende Investition in die Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern, das eigene Lernen zu steuern.
Je geübter Lernende darin sind, sich selbst einzuschätzen und Mitschülerinnen und Mitschülern lernförderliches Peer-Feedback zu geben, desto besser sind sie in der Lage, aus ihrem eigenen Lernen zu lernen und ihre Lernprozesse zu steuern (vgl. Brägger). Selbstreflexions- und Feedbackkompetenz wird daher als Schlüssel für selbstständiges Lernen gesehen. Deshalb ist es wichtig, im Unterricht auch Formen der Selbstreflexion und des Peerfeedbacks anzuleiten.