Unterrichtsentwicklung auf Basis des gemeinsamen Qualitätsverständnisses
Ein lernwirksamer Einsatz digitaler Medien erfordert mehr als die bloße Verfügbarkeit technischer Ausstattung. Er setzt voraus, dass Lehrkräfte über die notwendigen pädagogischen, didaktischen und organisatorischen Kompetenzen verfügen und ihre Klassenführung an die veränderten Bedingungen digitalen Unterrichts anpassen können. Für eine nachhaltige Unterrichtsentwicklung ist es daher sinnvoll, die Perspektive der Lehrkräfte in den Mittelpunkt zu stellen und zu analysieren, welchen konkreten Anforderungen sie im Schulalltag begegnen.
Besonders aufschlussreich ist dabei die Perspektive einer Lehrkraft, die neu an die Schule kommt oder erstmals in einer digital erweiterten Lernumgebung unterrichtet: Welche Abläufe, Regeln, technischen Voraussetzungen und pädagogischen Konzepte muss sie kennen, um handlungssicher und lernwirksam unterrichten zu können? Ausgehend von diesen Fragen können Schulen gezielt Rahmenbedingungen schaffen, Unterstützungsstrukturen entwickeln und Maßnahmen der Unterrichtsentwicklung systematisch gestalten. Das Qualitätsverständnis ‚K+5‘ kann als Leitrahmen für schulische Entwicklungsprozesse dienen und die Vorgehensweise für eine nachhaltige Unterrichtsentwicklung strukturieren.
Schritte im
schulischen Entwicklungsprozess
Effektive Klassenführung bildet das Fundament erfolgreichen Unterrichtens – dies gilt in besonderem Maße für den Einsatz digitaler Medien. Die Anpassung der Klassenführung an digital erweiterte Lernumgebungen gelingt nicht allein durch das Handeln einzelner Lehrkräfte im Unterricht. Sie setzt vielmehr schulweit abgestimmte Rahmenbedingungen und unterstützende Strukturen voraus. Die Schulleitung spielt dabei eine entscheidende Rolle, indem sie Entwicklungsprozesse initiiert, koordiniert und gemeinsame Vereinbarungen unterstützt.
Vor diesem Hintergrund empfiehlt sich zunächst eine gemeinsame Analyse der bestehenden Rahmenbedingungen. Ziel ist es, sichtbar zu machen, welche Strukturen bereits vorhanden sind und an welchen Stellen Weiterentwicklungsbedarf besteht. Die IST-Stand-Analyse kann insbesondere folgende Bereiche umfassen:
Digitale Organisationsstruktur im Unterricht
Regeln für den Umgang mit den Endgeräten
Lernende: Einarbeitung & Kompetenzaufbau
Lehrende: Grundlagen und Fortbildung
Schulinterne Unterstützungssysteme
Technik und Software
Dazu steht Ihnen ein Dokument zur Analyse der bestehenden Rahmenbedingungen zur Verfügung.
Auf Grundlage der Analyse können technische, organisatorische und pädagogische Rahmenbedingungen weiterentwickelt und verbindlich festgelegt werden. Ziel ist es, einen möglichst störungsfreien und lernwirksamen Einsatz digitaler Endgeräte zu ermöglichen sowie Planungssicherheit für Lehrkräfte zu schaffen.
Es empfiehlt sich, die Ergebnisse des Prozesses zu dokumentieren und dem Kollegium transparent zugänglich zu machen. Dazu stehen Ihnen Vorlagen für die Dokumentation der Ergebnisse zur Verfügung.
Der Ausgangspunkt der Unterrichtsentwicklung sollte darin liegen, Lehrkräfte gezielt dabei zu unterstützen, ihre Klassenführung an die veränderten Bedingungen einer digitalen Ausstattung anzupassen. Ziel ist es, auf Grundlage der zuvor getroffenen Rahmenbedingungen ein Konzept zu entwickeln, das Lehrkräfte auf diese Aufgabe vorbereitet bzw. sie in dieser Aufgabe unterstützt. So wird einerseits die Voraussetzung geschaffen, das Thema Klassenführung systematisch in die schulinterne Fortbildungsplanung zu integrieren, und andererseits jeder Lehrkraft ermöglicht, ihre Klassenführung an die schulischen Gegebenheiten anzupassen.
Im nächsten Schritt ist es zielführend, sich als Schule auf ein gemeinsames Leitbild für den Einsatz digitaler Medien im Unterricht zu verständigen. Dies kann durch die Festlegung fachübergreifender oder fachspezifischer Schwerpunkte in der Unterrichtsentwicklung erfolgen. Leitend ist dabei die zentrale Frage:
Wozu sollen digitale Medien an unserer Schule lernwirksam eingesetzt werden?
Eine klare Schwerpunktsetzung ermöglicht es, Fortbildungsinhalte gezielt zu definieren, sodass Lehrkräfte, die für das angestrebte Unterrichtskonzept notwendigen Kompetenzen systematisch aufbauen und weiterentwickeln können.
Im Abschnitt „Gemeinsame Ziele in der Unterrichtsentwicklung definieren“ finden sich Anregungen und Materialien, wie auf Basis einer Reflexion der Unterrichtspraxis eine Schwerpunktsetzung der Schule ablaufen und die Weiterarbeit geplant werden kann.
Materialien zur Begleitung des schulischen Entwicklungsprozesses
Bestehende Rahmenbedingungen erfassen und Entwicklungsbedarfe identifizieren
Verlässliche schulinterne pädagogische und technische Rahmenbedingungen bilden das Fundament souveräner Klassenführung. Die Analyse des Ist-Standes ermöglicht es, Stärken sichtbar zu machen und Handlungsfelder für die (weitere) Anpassung der Klassenführung zu definieren. Dabei sollten die folgenden Bereiche berücksichtigt werden:
Digitale Organisationsstruktur im Unterricht
Regeln für den Umgang mit den Endgeräten
Einarbeitung und Kompetenzaufbau der Lernenden
Grundlegende Kompetenzen und Fortbildung der Lehrkräfte
Schulinterne Unterstützungssysteme
Technik & Software im digitalen Klassenzimmer
Das Dokument zum Download enthält eine Checkliste, mit deren Hilfe Sie identifizieren können, wie Ihre Schule die sechs Bereiche abdeckt und welche Lücken gegebenenfalls im nächsten Schritt geschlossen werden sollten. Zu jedem Item der Checkliste finden Sie außerdem auf den Folgeseiten ausführlichere Erläuterungen.
Weitere Werkzeuge zur Ist-Stand-Erhebung
Zur Erhebung des Ist-Standes stehen Ihnen auf der oben genannten Grundlage unterschiedliche Werkzeuge zur Verfügung.
Umsetzung in PAUL
PAUL ist ein Online-Tool für schulinterne Befragungen, das auf Basis von Limesurvey® funktioniert. PAUL bietet Schulen die bereits aus dem alten Online-Befragungssystem bekannten Fragebögen an, wie z. B. die Selbsteinschätzung und die Fragebögen aus der externen Evaluation. Sie können sowohl Vorlagen nutzen als auch maßgeschneiderte Fragebögen erstellen. Die Fragen können frei formuliert und nach Wunsch angeordnet werden.
Taskcard
Die Taskcard bietet eine alternative Darstellung der Checkliste mit Erläuterungen. Außerdem sind bei jedem Bereich bereits Unterstützungsmaterialien verlinkt, wenn Sie passende Rahmenbedingungen schaffen bzw. weiterentwickeln möchten.
Effektive Klassenführung in den Fokus rücken
Der Ausgangspunkt der Unterrichtsentwicklung sollte darin liegen, Lehrkräfte gezielt dabei zu unterstützen, ihre Klassenführung an die veränderten Bedingungen einer digitalen Ausstattung anzupassen. Ziel ist es, auf Grundlage der in den vorangehenden Kapiteln getroffenen Rahmenbedingungen ein Konzept zu entwickeln, das Lehrkräfte auf diese Aufgabe vorbereitet bzw. sie in dieser Aufgabe unterstützt. So wird einerseits die Voraussetzung geschaffen, das Thema Klassenführung systematisch in die schulinterne Fortbildungsplanung zu integrieren, und andererseits jeder Lehrkraft ermöglicht, ihre Klassenführung an die schulischen Gegebenheiten anzupassen. Idealerweise enthält die schulinterne Fortbildungsplanung auch kontinuierliche Bausteine zum Thema Klassenführung. Dazu stehen Ihnen folgende Materialien zur Verfügung.
Materialien zur Vorbereitung der Lehrkräfte und zur Reflexion der bestehenden Praxis
Die vorliegenden Materialien dienen als Grundlage eines Workshops zur Kassenführung mit Kollegien. Der Reflexionsbogen und die Checkliste können zur Vor- und Nachbearbeitung des Workshops verwendet werden.
Kollegialer Austausch und Feedback
Austausch mit Kolleginnen und Kollegen und kollegiale Hospitation: Um sich mit der Technik im Klassenzimmer und den Geräten der Lernenden sicher zu fühlen, kann der kollegiale Austausch hilfreich sein. Die Lösungen anderer Lehrkräfte sind meist sofort und gewinnbringend umsetzbar. Regelmäßige Austauschformate und Unterstützungsangebote (z. B. Beratungssprechstunden) sowie systematisch durchgeführte kollegiale Hospitationen bieten einen Mehrwert in der Multiplikation und führen zu erhöhter Handlungssicherheit bei den Lehrkräften.
Absprachen über Interventionsmaßnahmen: Regelverstöße können auch bei einer souveränen Klassenführung auftreten. Deshalb ist es wichtig, innerhalb der Schulgemeinschaft Absprachen über Interventionsmaßnahmen zu treffen. Es kann hilfreich sein, einheitliche Maßnahmen-Kataloge an der Schule zu etablieren. Der Grad der Regulierung, den eine Schule anstrebt, hängt von unterschiedlichen Bedürfnissen und Gegebenheiten ab und sollte im Vorfeld gemeinsam festgelegt werden.
Schülerfeedback: Durch die Einbeziehung von Schülerfeedback können Lehrkräfte gezielt ihre Unterrichtspraktiken verbessern und eine lernförderliche Umgebung schaffen, die auf die Bedürfnisse der Lernenden abgestimmt ist.
Interne Evaluation: In BETSIE kann eine Befragung zum Ist-Stand im Bereich der Klassenführung und der erforderlichen pädagogischen Rahmenbedingungen aus bereits bestehenden, thematisch unterschiedlich ausgerichteten Bausteinen individuell zusammengestellt werden. Eigene Fragen können zusätzlich ergänzt werden.
Ziele in der Unterrichtsentwicklung gemeinsam definieren
Bisher bewährte Schwerpunkte der Unterrichtsentwicklung können im Kontext der Arbeit mit den digitalen Endgeräten weiterentwickelt, adaptiert und in der Unterrichtspraxis vertieft umgesetzt werden. Neben einer effektiven Klassenführung, die die Grundlage für einen lernförderlichen, digital gestützten Unterricht bildet, ist es im nächsten Schritt zielführend, sich gemeinsam auf einen Schwerpunkt zu einigen. Dieser ermöglicht es, Fortbildungsinhalte gezielt zu definieren, sodass Lehrkräfte, die für das angestrebte Unterrichtskonzept notwendigen Kompetenzen systematisch aufbauen und weiterentwickeln können.
Einen gemeinsamen Schwerpunkt festlegen
Damit Unterrichtsentwicklung wirksam wird, sollten Ziele nicht von Einzelpersonen, sondern gemeinsam im Kollegium erarbeitet werden. Dieser Prozess ermöglicht es,
unterschiedliche Perspektiven aus der Unterrichtspraxis einzubeziehen,
vorhandene Erfahrungen sichtbar zu machen und
ein gemeinsames Verständnis von Unterricht mit digitalen Medien zu entwickeln.
Ausgangspunkt: Reflexion der Unterrichtspraxis
Zu Beginn steht die gemeinsame Reflexion der aktuellen Unterrichtspraxis. Dabei kann das Kollegium beispielsweise überlegen:
Welche Aspekte unseres Unterrichts gelingen bereits gut?
Wo sehen wir Entwicklungspotenzial?
Welche Möglichkeiten eröffnen digitale Medien für unsere Schülerinnen und Schüler?
Der Austausch kann beispielsweise im Rahmen einer pädagogischen Konferenz oder in Teams erfolgen. Ziel ist es, mögliche Bereiche für eine gemeinsame Weiterentwicklung zu identifizieren. Um den IST-Stand der Unterrichtsentwicklung zu erheben oder eine Schwerpunktsetzung anzuleiten, finden Sie hier eine mögliche Abfrage.
Unterrichtliche Zielsetzungen gemeinsam festlegen
Auf dieser Grundlage kann das Kollegium Schwerpunkte der Unterrichtsentwicklung festlegen, diese in Kleingruppen vorbereiten, gemeinsam diskutieren und über einen längeren Zeitraum verfolgen. Daraus ergeben sich konkrete nächste Schritte wie schulinterne Fortbildungen, kollegialer Austausch, die Erprobung neuer Unterrichtsansätze sowie gegebenenfalls die Anpassung von Nutzungskonzepten.
Kontinuierliche Qualitätsentwicklung sichern: Gerade vor dem Hintergrund der dynamischen und stetig voranschreitenden Entwicklungen im digitalen Bereich ist Unterrichtsentwicklung als ein langfristiger, iterativer Prozess zu verstehen. Als Teil der umfassenden Schulentwicklung beruht ihr Erfolg auf mehreren zentralen Voraussetzungen: einer gemeinsam getragenen pädagogischen Vision, der aktiven Unterstützung sowie klaren Prioritätensetzung durch die Schulleitung, verlässlichen Zeit- und Personalressourcen sowie einer Kultur des Vertrauens und der kollegialen Zusammenarbeit. Ergänzend dazu sind kontinuierliche Fortbildungsangebote, eine systematische Datenerhebung und Evaluation sowie transparente Kommunikations- und Abstimmungsstrukturen erforderlich. Auf diese Weise kann der Einsatz digitaler Medien regelmäßig reflektiert, weiterentwickelt und nachhaltig im Schulalltag verankert werden.