Virtualisierung in der Lehrkräfte-Fortbildung
Die bisherigen Evaluationen zeigen, dass Fortbildungs- Teilnehmende durch den Einsatz von Virtual Reality eine höhere Kompetenz im Umgang mit VR-Technologien entwickeln, gleichzeitig eine starke soziale und physische Präsenz erleben und insgesamt ein hohes kognitives Engagement aufweisen.
Die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) Dillingen gilt dabei als Vorreiter im deutschsprachigen Raum und bietet bereits verschiedene Fortbildungsformate an beziehungsweise plant weitere, etwa zu Storytelling oder zum Einsatz von VR im Unterricht.
Gleichzeitig bringt der Einsatz von VR auch Herausforderungen mit sich: Er erfordert einen hohen technischen und didaktischen Aufwand sowie die Planung komplexer dreidimensionaler Lernszenarien anstelle einfacher Materialien. Zudem äußern Teilnehmende den Wunsch nach längeren Kursformaten und nach Aufgaben, die die spezifischen Möglichkeiten von VR noch stärker nutzen.
Insgesamt zeigt sich bisher, dass Virtual Reality ein sinnvoller und realisierbarer Lernraum sein kann, sofern sie didaktisch durchdacht eingesetzt wird, da sie Lernmöglichkeiten eröffnet, die ohne ihren Einsatz nicht realisierbar wären.
Ein Erfahrungsbericht von Uli Hierdeis
Auch in der Lehrkräfte- Fortbildung kann VR zum Einsatz kommen. Uli Hierdeis von der ALP Dillingen expermimentiert hier seit einiger Zeit zusammen mit Lehrkräften, Beratern digitale Bildung und anderen in der Fortbildung tätigen Kolleginnen und Kollegen.
Virtual Reality in der Lehrkräftefortbildung: Vom Experiment zur etablierten Praxis
Wie die ALP Dillingen mit dem lernraum.zukunftVR neue Wege in der Weiterbildung beschreitet
Von der Vision zur Realität
Was 2023 als innovatives Pilotprojekt für die didacta 2024 begann, entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil der bayerischen Lehrkräftefortbildung: Der lernraum.zukunftVR der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) Dillingen zeigt, dass Virtual Reality mehr sein kann als ein technisches Gimmick – wenn die didaktische Rahmung stimmt.
Warum überhaupt VR in der Fortbildung?
Die Frage nach dem lernförderlichen Einsatz von VR ist berechtigt. Die bisherigen Erfahrungen zeigen: VR rechtfertigt den höheren Aufwand dort, wo herkömmliche Online-Formate an ihre Grenzen stoßen:
1. Räumliches und haptisches Lernen
Anders als bei Videokonferenzen können Teilnehmende in VR direkt mit 3D-Objekten interagieren – sei es historische Artefakte (z. B. von bavarikon.de) oder selbst gestaltete Modelle. Was in der 2D-Welt nur als Bildschirmfreigabe möglich wäre, wird in VR zu einem gemeinsamen, begreifbaren Erlebnis.
2. Authentische soziale Interaktion
Die räumliche Präsenz in VR ermöglicht nonverbale Kommunikation: Teilnehmende können sich zu kleinen Gruppen in Ecken zurückziehen, gezielt auf Personen zugehen oder gemeinsam an verschiedenen Whiteboards arbeiten. Die Avatare vermitteln durch Kopf-Tracking und Gesten ein Gefühl sozialer Verbundenheit, das klassische Videokonferenzen nicht leisten können.
3. Fokussierte Aufmerksamkeit
Während bei Videokonferenzen E-Mails, andere Tabs oder das Smartphone ständig um Aufmerksamkeit konkurrieren, blendet das VR-Headset die reale Umgebung vollständig aus. Die Folge: deutlich geringere Ablenkung und höheres kognitives Engagement.
4. Didaktik vor Technik: Das phasenbasierte Instruktionsdesign
Wie der Mediendidaktiker Josef Buchner (PH St. Gallen) betont, sind Erfolge beim Einsatz von Medien und Technologien „immer abhängig von der didaktischen Rahmung”. Es erscheint „wenig sinnvoll, über Virtual-Reality-Brillen Wissen zu vermitteln, etwa indem Vorlesungen in den virtuellen Raum verlagert werden”.
Genau hier setzt der lernraum.zukunftVR an: Statt klassischer Wissensvermittlung steht die kollaborative Interaktion im Mittelpunkt. Im Lehrgang „Storytelling für Lehrkräfte” wurde ein spezielles phasenbasiertes Design entwickelt, das VR mit Webex-Unterstützung kombiniert. Die Struktur ermöglicht:
- Intensive Arbeitsphasen im virtuellen Raum mit hoher sozialer Präsenz
- Natürliches Schreiben und Zeichnen an virtuellen Whiteboards
- Kinästhetisches Lernen durch direktes Handeln im Raum an Modellen
- Kontextgebundenes Lernen, das nachweislich die Gedächtnisleistung verbessert
5. Evidenzbasierte Entwicklung
Eine erste wissenschaftliche Evaluation durch Dr. Josef Buchner zeigt vielversprechende Ergebnisse: Die Teilnehmenden berichten von signifikant gesteigerter Kompetenz im Umgang mit IVR-Systemen sowie von starker wahrgenommener sozialer und physischer Präsenz. Die qualitative Analyse hebt besonders das kognitive Engagement und die Authentizität der Zusammenarbeit hervor.
Bilder, die während der Arbeitsphasen in VR entstanden sind, werden über Conceptboards den Teilnehmenden bereitgestellt. Sie dokumentieren eindrucksvoll die intensive, fokussierte Arbeitsweise der Teilnehmenden – ein Engagement, das in dieser Form bei herkömmlichen Online-Formaten selten zu beobachten ist.
6. Von der Pole-Position aus: Qualität statt Quantität
Mit Formaten wie dem lernraum.zukunftVR positioniert sich die ALP Dillingen als Vorreiter im deutschsprachigen Raum. Aktuell gibt es keine vergleichbaren Angebote in der Lehrkräftefortbildungslandschaft. In 2026 sind bereits mehrere Lehrgänge geplant und durchgeführt:
- „Organisational Storytelling” für die Beratung digitale Bildung
- „Augmented und Virtual Reality” im Kontext Unterricht
- „Virtual Reality und digitale Tools im Geschichts- und Geographieunterricht” (mit 3D-Modellen von bavarikon.de und Museen)
- Storytelling für Lehrkräfte (Fortbildungsangebot der ALP DLG)
Diese Entwicklung steht für eine konsequente Weiterentwicklung der Fortbildungsqualität: Hochinnovative Formate, die unter dem Aspekt der Lernwirksamkeit reflektiert und kontinuierlich weiterentwickelt werden.
7. Herausforderungen und Perspektiven
Der Aufwand für VR-Lehrgänge ist nicht zu unterschätzen. Nach der aufwendigen Aufbauphase entspricht die Vorbereitungszeit heute etwa der eines analogen Lehrgangs – allerdings mit deutlich höherer Komplexität. Es geht nicht um das Erstellen einer PowerPoint-Folie, sondern um die Gestaltung dreidimensionaler Lernszenarien, die echten Austausch und kollaboratives Arbeiten ermöglichen.
Die Teilnehmenden wünschen sich längere Formate und noch stärkere Anbindung der Aufgaben an VR-spezifische Möglichkeiten – ein klarer Auftrag für die Weiterentwicklung.
8. Fazit: VR als machbarer und sinnvoller Weiterbildungsraum
Die Erfahrungen aus dem lernraum.zukunftVR zeigen: Immersive Virtual Reality kann ein machbarer und sinnvoller Raum für die berufliche Weiterbildung sein – wenn sie in ein durchdachtes Instruktionsdesign eingebettet wird. Nicht die Technologie allein macht den Unterschied, sondern ihre didaktisch begründete Nutzung.
Buchner fasst es treffend zusammen: Gelingt es, „Potenziale zu erkennen und durch Berücksichtigung der Herausforderungen einzulösen, können Medien und Technologien zu Lernmöglichkeiten führen, die ohne deren Einsatz nicht möglich wären.”
Der lernraum.zukunftVR der ALP Dillingen beweist: Diese Vision ist längst Realität geworden.